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96. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch: Hotelmarkt in Frankfurt – Wer füllt die Betten?

vor 3 Stunden
3 Min. Lesezeit

Rund sechs Millionen Gäste und mehr als elf Millionen Übernachtungen: 2025 war nach Angaben der Stadt eines der besten Jahre in der Geschichte des Frankfurter Tourismus. Zufrieden sind die Hoteliers trotzdem nicht. Warum, darüber diskutierte Ballcom-Mitarbeiterin Heike Fauser mit den Vorstandsmitgliedern der Frankfurt Hotel Alliance beim 96. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch im neuen Atlantic Hotel Frankfurt. Dabei: Kevin Nattermann, General Manager, Le Méridien Frankfurt, Rahwa Bumba, Managing Director, LUME Boutique Hotel, Autograph Collection, und Peter Reischl, General Manager, Frankfurt Marriott Hotel, sowie Eduard Singer, Leiter der Stabsstelle Stadtmarketing Frankfurt.

Das Grundproblem: In Frankfurt gibt es mehr Betten, aber zu wenig Gäste. 2019 hatte die Stadt 311 Beherbergungsbetriebe mit 59.800 Betten. Heute sind es 279 Betriebe, aber 64.800 Betten, und in den nächsten drei Jahren sollen mindestens 13 weitere Häuser eröffnen. Rechnerisch ist damit nicht einmal jedes zweite Bett belegt. Die Hotels waren 2025 zu knapp über 60 Prozent ausgelastet. Mehr Hotels braucht Frankfurt deshalb nicht, so der Tenor auf dem Podium: „Füllen wir doch erst mal die, die da sind“, sagte Peter Reischl, General Manager, Frankfurt Marriott Hotel.

Sinkende Belegungszahlen am Wochenende und hohe Tariflöhne

Unter der Woche bringen Messen und Kongresse die Gäste. Wirklich ins Gewicht fallen aber nur rund 40 Messe- und Kongresstage im Jahr. „Schön wäre es, wenn es 100 wären“, sagte Peter Reischl. Am Wochenende sinkt die Belegung vieler Häuser auf 20 bis 30 Prozent, und ein Feiertag kostet schnell die ganze Woche. „Von sieben Tagen in der Woche leben wir von vier. Freitag, Samstag und Sonntag ist in den Häusern nicht viel los“, erläuterte Rahwa Bumba, Managing Director, LUME Boutique Hotel, Autograph Collection. Kevin Nattermann, General Manager, Le Méridien Frankfurt, ergänzt: „Dazu kommt die Abhängigkeit von internationalen Gästen, etwa aus den USA und Großbritannien. Gleichzeitig steigen die Kosten: Hessen zahlt die höchsten Tariflöhne der Branche, ohne Zimmerpreise wie in München zu erzielen.“


Frankfurt muss sich international deutlicher positionieren

Vor allem wurde an diesem Abend klar: Frankfurt muss sich international klarer aufstellen. „Wir haben kein Vermarktungsproblem. Was fehlt, ist eine Positionierung der Stadt“, sagte Reischl. Frankfurt werde zu oft auf Banken und Hochhäuser reduziert. Ich fliege gern nach Barcelona, nicht wegen eines Kongresses oder Konzerts, sondern weil ich nach Barcelona will. Wie schaffen wir es, dass Menschen so über Frankfurt sprechen?“ Reischl verwies auf den Koalitionsvertrag, der für die Positionierung der Stadt eine international tätige Markenagentur vorsieht.

Eduard Singer, Leiter der Stabsstelle Stadtmarketing Frankfurt, bestätigte, dass die Stadt den Markenprozess ernsthaft angehe. Singer rechnet mit neun bis 15 Monaten für den Prozess. Das sei ambitioniert, aber Potential sehe er an mehreren Stellen, etwa bei Tagungen und Kongressen: Vor Corona gab es rund 100.000 solcher Veranstaltungen, heute sind es etwa 80.000. Auch für Großevents wie Stadionkonzerte oder für mehrtägige Sportereignisse müsse Frankfurt attraktiver gemacht werden. Eine Zielgruppe sieht Singer auch bei den Umsteigegästen am Flughafen: Perspektivisch sind es knapp 100 Millionen Passagiere im Jahr, viele davon mit mehreren Stunden Aufenthalt und nur eine Viertelstunde von der City entfernt. „Es muss uns gelingen, dass die Menschen nicht fünf bis sieben Stunden am Flughafen verweilen, sondern zu uns in die Stadt kommen. Wir haben eine sehr gute Gastronomie, attraktive Shops – es gibt genügend Gründe, um in die Stadt zu fahren.“

Eine Belastung bleibt das Bahnhofsviertel, für viele Ankommende der erste Eindruck von Frankfurt. Die Hoteliers erleben, dass die neue Stadtregierung sie unterstützt, erwarten aber schnell sichtbare Fortschritte bei Sicherheit und Sauberkeit. „Die Menschen, die zu uns kommen, müssen sich sicher fühlen, wenn sie das Hotel verlassen“, sagte Kevin Nattermann. Das betrifft längst nicht nur das Bahnhofsviertel, sondern auch die Zeil oder die Gegend rund um die Alte Oper. Und es brauche ein anderes Mindset: „Die Frankfurter reden ihre Stadt oft schlechter, als Außenstehende sie sehen. Wir müssen endlich die positiven Seiten unserer Stadt hervorheben“, so Rahwa Bumba.


Mehr positiv sprechen

Gastgeber war das Atlantic Hotel Frankfurt, das erst vor wenigen Wochen direkt auf dem Messegelände an der Europa-Allee eröffnet hat. Damit das Haus rechtzeitig zur Automechanika fertig wurde, arbeiteten zeitweise bis zu 900 Bauarbeiter auf der Baustelle. General Manager Manuel Slapnig wünscht sich für die Zukunft, dass über Frankfurt stärker positiv gesprochen werde und weniger über die Problemzonen wie das Bahnhofsviertel. An einem Wochenende, an dem Stadion, Messe und Festhalle gleichzeitig voll waren, habe man gesehen, „was die Stadt bringen kann, wenn etwas los ist“, so Slapnig.

Ballcom dankt dem langjährigen Sponsor Fraport AG, Gastgeber Manuel Slapnig und dem Team des Atlantic Hotel Frankfurt sowie allen Gästen für den offenen Austausch beim 96. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch.




 
 
 

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