94. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch: Realitätscheck und Rückblick bei RTL Hessen
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- vor 7 Stunden
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Ein RTL-Urgestein verabschiedet sich: Eberhard Volk, Geschäftsführer und Programmchef von RTL Hessen, beendet seine 25-jährige Karriere. Der 60-jährige Journalist und gebürtige Marburger hatte Anfang der 2000er-Jahre das Regionalformat des Privatsenders maßgeblich mit aufgebaut. Beim 94. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch im Kreativraum Plot Projekt blickte Moderatorin Heike Fauser gemeinsam mit Volk auf dessen Karriere zurück. Darüber hinaus sprachen sie über die aktuellen Herausforderungen des Privatfernsehens sowie die Zukunftsperspektiven des Regionalstandorts.

RTL Hessen produziert seit über 20 Jahren das regionale Nachrichtenfenster für Hessen auf der Frequenz von RTL. Werktäglich entstehen rund 24 Minuten Programm, insgesamt etwa 250 Sendungen pro Jahr. Darüber hinaus fungiert der Standort als Außenstudio und Zulieferer für nationale Informationsformate der gesamten RTL-Gruppe, darunter ntv, sowie für digitale Plattformen und Social-Media-Kanäle.
Sinkende Werbeeinnahmen
Im Gespräch wurde deutlich, dass sich der klassische private TV-Markt in einer strukturellen Krise befindet: „Mehr als die Hälfte der Werbeeinnahmen in Deutschland fließt inzwischen an große Digitalkonzerne wie Google, Meta und Amazon“, stellte Eberhard Volk fest. Gleichzeitig ist die lineare Fernsehnutzung in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen massiv gesunken: von über 120 Minuten täglich Anfang der 2000er Jahre auf aktuell rund 67 Minuten. Besonders betroffen sind Informationsformate, die laut Volk „als personalintensiv und kostenaufwendig gelten und kaum wiederverwertet werden können.“ Unterhaltungssendungen erzielten hingegen bei vergleichsweise geringeren Produktionskosten höhere Renditen. In der Folge gerieten journalistische Formate zunehmend unter wirtschaftlichen Druck, so Volk.
Aber: Rein Rechtlich ist das Regionalfernsehen abgesichert – zumindest für die nächsten Jahre. Es basiert auf dem Rundfunkstaatsvertrag und dient der Sicherung der Meinungsvielfalt. „RTL darf keinen inhaltlichen Einfluss auf die Berichterstattung nehmen, die Redaktion arbeitet unabhängig“, sagte Volk. Ende 2024 wurde die Sendelizenz um weitere zehn Jahre bis 2034 verlängert. „Damit ist die Existenz von RTL Hessen mittelfristig gesichert, unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung des linearen Hauptprogramms.“
Dennoch blieb RTL von Sparmaßnahmen nicht verschont. Ende vergangenen Jahres kündigte der Sender an, bundesweit rund 600 Stellen zu streichen, davon 230 im News-Bereich. „An unserem Standort hatte dies vier Entlassungen zufolge, die jedoch sozialverträglich durchgeführt wurden.“ Insgesamt beschäftigt der Sender rund 50 Vollzeitkräfte. Trotz der Einsparungen betonte Volk die besondere Bedeutung der Nachwuchsförderung. Über Jahrzehnte hinweg habe RTL Hessen zahlreiche Journalistinnen und Journalisten ausgebildet, die heute in verantwortlichen Positionen innerhalb der Medienbranche tätig sind.
Regionale Inhalte in Social Media gefragt
Strategisch setzt RTL verstärkt auf digitale Verbreitungswege. Während das klassische Fernsehen weiter an Reichweite verliert, gewinnen non-lineare Plattformen wie RTL Plus, YouTube, Instagram und TikTok merklich an Bedeutung. RTL Hessen erzielte im vergangenen Jahr mit regionalen Inhalten rund 138 Millionen Videoaufrufe auf Social Media. „Das zeigt uns, dass das Interesse an regionalen Nachrichten ungebrochen ist, allerdings zunehmend zeitunabhängig und plattformübergreifend genutzt wird.“ Die Monetarisierung dieser digitalen Reichweiten bleibt jedoch herausfordernd.
Mit dem Ausscheiden von Eberhard Volk endet eine 25-jährige Ära an der Spitze von RTL Hessen. Seine Nachfolgerin wird Katrin Raab, langjährige Produktionsmanagerin bei RTL. Für die Zukunft nennt Volk vor allem vier entscheidende Faktoren: eine starke regionale Verankerung, engagierte Mitarbeitende, die konsequente Anpassung an digitale Verbreitungswege sowie wirtschaftliches Denken bei gleichzeitiger Sicherung journalistischer Qualität. „Die Fähigkeit, Talente zu fördern und sich an veränderte Mediennutzungsgewohnheiten anzupassen, wird maßgeblich über den langfristigen Erfolg des Standorts entscheiden“, so Volk.
Ballcom bedankt sich beim langjährigen Sponsor Fraport AG, ebenso beim Gastgeber Plot Projekts sowie bei allen Gästen, die am 94. Rhein-Main-Journalisten-Stammtisch teilgenommen haben.
























































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