80. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch

„Web-Portale sind die einzige Zukunft für den Lokaljournalismus“ Jan Ippen, Gründer und Geschäftsführer der Ippen Digital Media GmbH, zu Gast bei unserem „Small Talk in der Gerüchteküche“



Jan Ippen ist mit digitaler Technologie groß geworden und verfolgt ein Ziel: In zehn Jahren sollen seine Online-Publishing-Plattformen für kleine und mittlere Verlage profitabel werden. Mit rund 30 Gästen, Journalistinnen und Journalisten, war die Jubiläumsausgabe des 80. Rhein-Main Journalisten-Stammtischs kontrovers und zukunftsweisend. In der Campus Lounge der Frankfurt School of Finance & Management eröffnete Jan Ippen sein 300-Sekunden mit: „Ich bin kein Journalist, sondern Techi. Dem Journalismus hilft das, Angebote an Nutzerinnen und Nutzer zu bringen. Die Zeitung ins Netz zu setzen, bringt nichts“.


Getreu seinem Motto „Change or die“, „Verändere dich oder stirb“, erläuterte Ippen die Idee seines Unternehmens. Für ihn ist Reichweite der wesentliche Indikator, um zu messen, was gut und was schlecht ist; was Zielgruppen interessiert und was nicht. Je höher die Reichweite, desto höher sind tatsächliche Kaufraten. Oder im Journalismus: rezipierte und geteilte Inhalte. Was Ippen auf seinen Portalen verkaufe, ob Digital-Abos oder Socken, sei für ihn nicht relevant. „Es geht darum, den Konsumenten zufriedenzustellen, und das tun wir mit all unseren Produkten.“


Auf die Frage, ob er nicht mit gezieltem Clickbaiting versuche, die Reichweite auf seinen Seiten zwanghaft zu erhöhen, antworte er mit einem klaren: „Nein“. Ippen Digital verfahre eine andere Strategie, nämlich Inhalte onlinegerecht für die Leserschaft aufzubereiten. Dies betreffe insbesondere Artikel, die von Print in das Online-Angebot gehoben werden. Für online werden diese Texte noch einmal „veredelt“, wie Ippen das Verfahren nennt. Generell versuche er seine Redaktionen für das Neue zu begeistern, denn der technische Wandel und Verhaltensänderungen im Medienkonsum bedingen eben einen Umbruch im journalistischen Handwerk. „Die strukturelle Gestaltung von Inhalten wird immer wichtiger. Trendformate, wie zum Beispiel Tiktok, werden immer wieder aufkommen. Es ist schwer, die Geschwindigkeit in Verlage zu bekommen, das weiß ich als Sohn eines Zeitungverlegers sehr gut. Doch das ist die Zukunft“, sagte er. Aber braucht es für immer mehr digitale Formate nicht auch mehr Personal in den Redaktionen? „Unser Redaktionsnetzwerk ist mit 200 Journalistinnen und Journalisten in den Zentralredaktionen bereits eines der größten in Deutschland“, entgegnete Ippen. Den Gästen verriet er außerdem, dass sein Netzwerk bereits sehr profitable arbeite. Und, dass er kein Freund von Paywalls sei, denn diese formen zu spitze Zielgruppen, die am Ende nicht erfolgsversprechend seien.


Mit Blick ins Rhein-Main-Gebiet sind Frankfurter Rundschau, FNP - Frankfurter Neue Presse, Frankfurter WochenBlatt, op-online.de, Hanauer Anzeiger, HNA – hessische Niedersächsische Allgemeine, Gießener Allgemeine Zeitung und Fuldaer Zeitung bereits Teil des Ippen-Netzwerks. „Wie überall fordern neue Ideen alte heraus. Der Markt wird sich weiter verdichten, kleine Titel wird es nicht mehr geben. Wo wird die regionale Berichterstattung dann zu finden sein?“, fragte Ippen provokant. „Online können wir da sein und je größer wir werden, desto geringer werden die Kosten für jedes einzelne Medium im Netzwerk. Ich will, dass der Lokaljournalismus bleibt.“


Ballcom bedankt sich beim Gastgeber, der Frankfurt School of Finance & Management, Jan Ippen sowie den Partnern des Rhein-Main Journalisten-Stammtisches, der Fraport AG sowie dem Kempinski Hotel Frankfurt, in dem die Veranstaltungsreihe in der Regel stattfindet.