66. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch

Frankfurter IHK-Präsident Ulrich Caspar fordert mehr Wohnungen und Ausbau der Infrastruktur


Marco Maier FFH | Rhein-Main Journalisten-Stammtisch

Journalisten-Treffen in einer Rechtsanwaltskanzlei. Zugegeben ein ungewöhnlicher Ort, dennoch passend zur Vorstellung des neuen Präsidenten der IHK Frankfurt. Bei Beiten Burkhardt an der Mainzer Landstraße war Ulrich Caspar, seit Mai dieses Jahres neugewählter Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, Gast beim 66. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch. In seinem 300-Sekunden-Statement hat er den Journalisten die positive wirtschaftliche Entwicklung in Frankfurt/Rhein-Main erläutert. Rund 120.000 Unternehmen aus dem Bezirk Frankfurt/Rhein-Main sind Mitglied bei der IHK. Hier ist die Entwicklung insoweit gut, dass diese Unternehmen genügend Aufträge sowie kaum Probleme bei der Finanzierung haben. Dennoch gibt es hier einen Engpass: der Fachkräftemangel. „Woran liegt das“, frage Moderator Steffen Ball. Laut Caspar gebe es durchaus genügend Fachkräfte, jedoch nicht unbedingt im Rhein-Main-Gebiet, sondern vielmehr in anderen Regionen, Bundesländern und europäischen Ländern. Als Grund dafür führte er auf, dass hier schlichtweg der günstige Wohnraum fehle. „Bei uns im Rhein-Main-Gebiet könnten innerhalb der nächsten zwei Jahre 100.000 neue Wohnungen errichtet werden“, so Caspar. Der Markt und die Marktteilnehmer stünden zur Verfügung. Dennoch passiert aber nichts. Caspar sieht das Problem klar in der öffentlichen Hand: „Es liegt schlicht und einfach daran, dass die öffentliche Hand, die zuständig ist für die Baulandausweisung, an dieser Stelle versagt und nicht das liefert, was gebraucht wird.“ Hier gibt es für Caspar zwei Gründe, weshalb die Kommunen zu wenig Bauland ausweisen. Erstens: Der Bund habe den Kommunen in den letzten Jahren zusätzliche Kinderbetreuungskosten aufgebürdet. Wenn die Kommunen dann ein neues Baugebiet ausweisen würden, hätten sie überproportional viele Menschen mit Kleinkindern und damit verbunden sehr hohe Kosten. Zweitens: Die politischen Verfahren nehmen zu viel Zeit in Anspruch. ​ Ein weiteres wichtiges Thema des Abends war Mobilität. Caspar möchte die Straßenkapazitäten in Frankfurt erweitern, sowohl am Rand als auch im Zentrum. Dies begründete er damit, dass immer mehr Menschen nach Frankfurt ziehen und es auch immer mehr Arbeitsplätze in der Stadt gibt. Die Konsequenz daraus sei, dass auch der Verkehr sich vermehre. Caspar sprach sich deutlich dagegen aus, die Infrastruktur zurückzubauen, wie dies teilweise in anderen Städten geschieht. Beim Ausbau der Infrastruktur seien zudem nicht die Breite der Straßen problematisch, sondern vielmehr die Kreuzungen, an denen sich Rückstaus bilden. Tunnellösungen würden hier die Kapazitäten drastisch erhöhen. Die Infrastruktur solle nicht nur für den Autoverkehr ausgebaut werden, sondern natürlich für alle Verkehrsmittel. Caspar sei es hierbei wichtig, dass die Menschen immer noch selbst entscheiden dürften, auf welches Verkehrsmittel sie zurückgreifen möchten. Ihnen solle hier nichts vorgeschrieben werden. Caspar sprach sich dennoch gegen eine Verkehrsberuhigung aus, die die Innenstadt für Fußgänger und Radfahrer attraktiver machen solle. Seine Begründung: Eine Stadt dürfe nicht nur nach den Bedürfnissen der Jungen und Fitten ausgerichtet werden. Man solle auch an ältere und schwächere Bewohner denken, die auf ihr Auto angewiesen seien.


Wir sind gespannt, wie sich diese Engpässe in den kommenden Jahren beheben lassen und wünschen Ulrich Caspar gutes Gelingen in seiner neuen Position dabei. Ebenso danken wir unserem Gastgeber Beiten Burkhardt und unserem Hauptsponsor Fraport.