52. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch

„Die Frage, die wir uns stellen sollten: Muss sich der Journalismus neu erfinden?“ Thomas Sulzer, Ressortleiter Sport bei BILD SÜDWEST.


Kai Pfaffenbach Rhein-Main Journalisten-Stammtisch

Der 52. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch befasste sich mit den Herausforderungen für den Journalismus in der Zukunft. Referent Thomas Sulzer, Ressortleiter Sport bei BILD SÜDWEST, erklärte während seines 300-Sekunden-Statements, dass Reporter heute eine Vielzahl an Aufgaben bewältigen müssten.

Zu allererst müsse ein Journalist eine gute Geschichte erkennen und so niederschreiben beziehungsweise erzählen, dass sie für den Leser und/oder Zuhörer interessant ist. Im nächsten Schritt müsse er ein passendes Foto oder Video aufnehmen, um dies gemeinsam mit dem Text auf Facebook und Twitter zu posten. Natürlich würde der Bericht im Vorfeld entsprechend der Nutzeranforderung aufbereitet. Reporter seien somit immer häufiger Journalist, Fotograf und Kameramann in einem und das ohne entsprechende Ausbildung. Gleichzeitig stünden die Medienmacher unter immensem Zeitdruck. Fundierte Recherche bliebe dabei ab und an auf der Strecke, denn jeder möchte als erstes berichten, um die Echtzeitkommunikation gegenüber den Konsumenten zu gewährleisten.

Gerade Bewegtbilder würden in Zukunft eine große Rolle spielen. Sulzer erklärt: „Der Online-Auftritt von BILD wird sich in den nächsten zwei bis drei Jahren komplett verändern. Die Klickzahlen für Texte werden immer geringer, also fokussieren wir uns in Zukunft auf Videos und Fotos.“


Im Anschluss ergab sich eine anregende Diskussion unter den anwesenden Journalisten, bei der unterschiedliche Themen aufkamen. Eine wichtige Frage für viele Anwesenden war, wie kleine Zeitungen in Zukunft gegenüber großen Verlagen bestehen können. Hier bezog sich Sulzer klar auf den regionalen Aspekt: „Kleine Redaktionen haben eine höhere Chance, exklusive Geschichten für ihren Regionalteil zu bekommen. Ansässige Reporter können direkt am Ort des Geschehens berichten, ihre Berichte sind damit detailreich und vor allem schnell verfügbar.“

Zur Sprache kam auch das Medienverhalten der Nutzer. Zu bild.de würden ein Drittel der Nutzer über Facebook oder Google gelangen, nur wenige geben die direkte URL in die Suchleiste ein. Dies unterstreiche die Wichtigkeit der Bespielung der sozialen Netzwerke. Gleichzeitig müsse ständig beobachtet werden, was Verbraucher von den Medienschaffenden erwarten und wie Nachrichten für die Altersgruppen aufbereitet werden müssen. Die anwesenden Journalisten waren sich in dem Punkt, was die Anforderungen an den Journalismus in der Zukunft betrifft, uneinig. Doch konnten sich die Teilnehmer einen Eindruck über die Vorgehensweisen anderer Redaktionen verschaffen und sich Anregungen für die eigene Arbeit einholen.

Zum Abschluss der Diskussion regt Sulzer an: „Ich kann nur beipflichten, in Sachen soziale Medien mutiger zu werden und die Digitalisierung anzunehmen. Natürlich kann man dabei auch ausprobieren, wir bei BILD sind auch in einem ständigen Prozess.“