Kontaktieren Sie uns gerne per E-Mail an

journalistenstammtisch@ballcom.de

oder telefonsich unter: 06104 6698-280

  • facebook

© 2014 by Ballcom GmbH

Datenschutz & Impressum

67. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:

„Einfach geile Geschichten, die die Leser wirklich interessieren“
Axel Grysczyk, Redaktionsleiter des Rhein-Main EXTRA TIPP & des Frankfurter Wochenblatts

Sieben gedruckte Wochenzeitungen, fünf zugehörige Online-Portale: Axel Grysczyk ist Auflagenmillionär und erfolgreicher Sammler von Visits. Beim 67. Journalistenstammtisch, der im neuen Restaurant- und Unterhaltungsviertel FOODTOPIA im Frankfurter Shopping-Center MyZeil stattfand, sprach der Redaktionsleiter über das die Hintergründe des Erfolgs, den er mit den Blättern und Websites hat.

Die verschiedenen Formate eint eine Philosophie: Grysczyk und seine Redakteure sind für ihre Leserinnen und Leser nahbar, sie nehmen zahlreiche Termine wahr, wobei kein Termin banal oder zu klein ist. Diese Nähe ist nach Meinung Grysczyks für ein Anzeigenblatt nicht unbedingt normal, zumal sie für die Veröffentlichungen kein Geld verlangten. Die Idee dahinter: „Ich will einfach Geile Geschichten machen, die die Leser wirklich interessieren!“ Der Vorteil von so vielen Formaten sei, dass sich für jeden Beitrag, ganz gleich welchen Inhalts, immer ein passendes Format fände. Das sei ein klarer Benefit für ihn und seine Redaktionen.

Axel Grysczyk erläutert zudem, kein Fan von ausgeklügelten Konzepten zu sein. Gute Redakteure bräuchten Freiraum und den lässt er ihnen. Nur so sei es möglich, immer wieder den richtigen Nerv der Leserschaft zu treffen und langfristig mit motivierten Mitarbeitern zu arbeiten.

Trotz der Millionenauflage seiner Blätter möchte Axel Grysczyk nicht von einem Comeback der gedruckten Zeitung sprechen. Wochenblatt und EXTRA-TIPP seien erfolgreich und die Beiträge würden gelesen, weil die Themen aus der Nachbarschaft stammen, das interessiere die Leserinnen und Leser. Im Übrigen gelte: „Der EXTRA TIPP will nicht geliebt werden, er soll gelesen werden. Die Stadtpost soll geliebt werden und wird deshalb gelesen.“

Der studierte Politikwissenschaftler und Soziologe ist verantwortlich für die redaktionellen Inhalte folgender Zeitungen: Rhein-Main EXTRA TIPP, Frankfurter WochenBlatt, Taunus WochenBlick, StadtPost, Gelnhäuser Nachrichten und Bruchköbeler Kurier. Insgesamt kommen die Blätter auf eine wöchentliche Auflage von 1,6 Millionen.

66. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:

Frankfurter IHK-Präsident Ulrich Caspar fordert mehr Wohnungen und Ausbau der Infrastruktur

Journalisten-Treffen in einer Rechtsanwaltskanzlei. Zugegeben ein ungewöhnlicher Ort, dennoch passend zur Vorstellung des neuen Präsidenten der IHK Frankfurt. Bei Beiten Burkhardt an der Mainzer Landstraße war Ulrich Caspar, seit Mai dieses Jahres neugewählter Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, Gast beim 66. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch. In seinem 300-Sekunden-Statement hat er den Journalisten die positive wirtschaftliche Entwicklung in Frankfurt/Rhein-Main erläutert.

 

Rund 120.000 Unternehmen aus dem Bezirk Frankfurt/Rhein-Main sind Mitglied bei der IHK. Hier ist die Entwicklung insoweit gut, dass diese Unternehmen genügend Aufträge sowie kaum Probleme bei der Finanzierung haben. Dennoch gibt es hier einen Engpass: der Fachkräftemangel. „Woran liegt das“, frage Moderator Steffen Ball. Laut Caspar gebe es durchaus genügend Fachkräfte, jedoch nicht unbedingt  im Rhein-Main-Gebiet, sondern vielmehr in anderen Regionen, Bundesländern und europäischen Ländern. Als Grund dafür führte er auf, dass hier schlichtweg der günstige Wohnraum fehle. „Bei uns im Rhein-Main-Gebiet könnten  innerhalb der nächsten  zwei Jahre 100.000 neue Wohnungen errichtet werden“, so Caspar. Der Markt und die Marktteilnehmer stünden zur Verfügung. Dennoch passiert aber nichts. Caspar sieht das Problem  klar in der öffentlichen Hand: „Es liegt schlicht und einfach daran, dass die öffentliche Hand, die zuständig ist für die Baulandausweisung, an dieser Stelle versagt und nicht das liefert, was gebraucht wird.“ Hier gibt es für Caspar zwei Gründe, weshalb die Kommunen zu wenig Bauland ausweisen. Erstens: Der Bund  habe den Kommunen in den letzten Jahren zusätzliche Kinderbetreuungskosten aufgebürdet. Wenn die Kommunen dann ein neues Baugebiet ausweisen würden,  hätten sie überproportional viele Menschen mit Kleinkindern und damit verbunden sehr hohe Kosten. Zweitens: Die politischen Verfahren nehmen  zu viel Zeit in Anspruch.

Ein weiteres wichtiges Thema des Abends war Mobilität. Caspar möchte die Straßenkapazitäten in Frankfurt erweitern, sowohl am Rand als auch im Zentrum. Dies begründete er damit, dass immer mehr Menschen nach Frankfurt ziehen und es auch immer mehr Arbeitsplätze in der Stadt gibt. Die Konsequenz daraus sei, dass auch der Verkehr sich vermehre.  Caspar sprach sich deutlich dagegen aus, die Infrastruktur zurückzubauen, wie dies teilweise in anderen Städten geschieht. Beim Ausbau der Infrastruktur seien zudem nicht die Breite der Straßen problematisch, sondern vielmehr die Kreuzungen, an denen sich Rückstaus bilden. Tunnellösungen würden hier die Kapazitäten drastisch erhöhen. Die Infrastruktur solle nicht nur für den Autoverkehr ausgebaut werden, sondern natürlich für alle Verkehrsmittel. Caspar sei es hierbei wichtig, dass die Menschen immer noch selbst entscheiden dürften, auf welches Verkehrsmittel sie zurückgreifen möchten. Ihnen solle hier nichts vorgeschrieben werden. Caspar  sprach sich dennoch gegen eine Verkehrsberuhigung aus, die die Innenstadt für Fußgänger und Radfahrer attraktiver machen solle. Seine Begründung: Eine Stadt dürfe nicht nur nach den Bedürfnissen der Jungen und Fitten ausgerichtet werden. Man solle auch an ältere und schwächere Bewohner denken, die auf ihr Auto angewiesen seien.

Wir sind gespannt, wie sich diese Engpässe in den kommenden Jahren beheben lassen und wünschen  Ulrich Caspar gutes Gelingen in seiner neuen Position dabei. Ebenso danken wir unserem Gastgeber Beiten Burkhardt und unserem Hauptsponsor Fraport.

65. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:

„Eine funktionierende kommunale Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist die Bedingung für eine lebendige Demokratie“ Stefan Jäger, Abteilungsleiter Presse und City Marketing der Stadt Frankfurt

Seit November 2017 ist Stefan Jäger, mehrfach ausgezeichneter Journalist, Leiter der Abteilung Presse und City Marketing der Stadt Frankfurt. Sein 300-Sekunden-Statement hat er beim 65. Rhein-Main Journalisten-Stammtischgleich mit einer steilen These eröffnet: „Eine funktionierende kommunale Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist die Bedingung für eine lebendige Demokratie.“ Und wie sieht das in der Praxis aus? Zusammen mit seinem Team möchte Jäger für Transparenz sorgen und den  Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern aufzeigen, welche Beschlüsse und Entwicklungen es in der Stadt gibt. Dabei sieht er sich vor allem in der Rolle des Erklärers. Die städtische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sei heutzutage hauptsächlich dazu da, den Leuten zu erläutern, was die Stadt überhaupt macht und wie sie verfasst ist.

Jäger hat den rund 30 Journalistinnen und Journalisten einen Einblick in die täglichen Herausforderungen einer städtischen Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gegeben. Die erste Herausforderung sah er darin, dass sich das Publikum nicht für die Stadt insgesamt und für das große Ganze interessiere, sondern nur dafür, was direkt vor deren eigener Haustür passiert. Als Beispiel dafür nannte Jäger die Wahlbeteiligung bei der Oberbürgermeisterwahl im  vergangenen Jahr, die nur knapp 40 Prozent betrug. „Diesem Trend müssen wir mit unseren Inhalten entgegenwirken“, sagte Jäger. Als nächste Herausforderung führte er zwei Frankfurt-spezifische Aspekte auf: das rasche Wachstum der Stadt und die heterogene Bevölkerung. „Wie bekommen wir die Aufmerksamkeit dieser heterogenen Masse für die Themen der Stadt? Unser Stadtbild ist zudem noch sehr international. Wie erreichen wir mit unseren Themen die Bevölkerung mit Migrationshintergrund? Diesen Fragen müssen wir uns täglich stellen“, so Jäger.

Ein weiteres Thema des gestrigen Abends war die Aufstellung Frankfurts im Bereich Social Media. Dass auch eine Stadt erfolgreich auf Facebook und Co. sein kann, zeigen die Followerzahlen deutlich. Die Facebook-Seite Frankfurt.de kann sich mit über 200.000 Followern ausweisen, der im vergangenen Herbst angelegte Instagram-Account hat nach wenigen Monaten bereits rund 20.000 Abonnenten. Jäger, der zuvor als TV-Autor und Reporter für die ARD und den HR gearbeitet hatte, wünscht sich für den Online-Auftritt noch mehr Bewegtbilder. Denn gerade auf den sozialen Netzwerken werden Postings mit Videoinhalten mit hoher Aufmerksamkeit belohnt. Dazu führte Jäger an: „Wir möchten unsere Follower auf den sozialen Netzwerken unterhalten, sie aber auch gleichzeitig informieren. Dies geschieht am besten mit einem Mix aus bunten Bildern und Videos und informativen Texten zwischendrin.“

Wir danken unseren Partnern Fraport AG und The Legacy Bar & Grill für die Unterstützung.

64. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:

„Mit der neuen Erscheinungs-weise können wir eine ganz andere Qualität anbieten."

Seit September 2018 ist Ronja Merkel Chefredakteurin des Journal Frankfurt. Beim 64. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch trat sie den rund 30 Kolleginnen und Kollegen souverän entgegen. In ihrem 300-Sekunden-Statement sprach sie darüber, wie sie an die Arbeit von Nils Bremer, dem ehemaligen Chefredakteur, anknüpfen möchte, was sie während ihrer Zeit als Chefredakteurin bereits umsetzen konnte und welche großen Schritte für 2019 geplant sind.

Merkels Vorgänger Nils Bremer hat das Blatt zwar mit einer steigenden Auflage hinterlassen, sie möchte dennoch ihre eigenen Akzente setzen. Dazu zählt laut Merkel, dass das Journal wieder politisch agiert – gerade in einer Zeit, in der es wichtig ist, Haltung zu zeigen. Dahingehend hat sich auch schon einiges beim Journal getan: Es gab bereits verschiedene Reportagen und Interviews mit Politikern. Eine Änderung, noch unter Nils Bremer, spielt ihr dabei gut in die Karten: Der Wechsel vom 14-täglichen Erscheinen zu einem monatlichen. „Mit der monatlichen Erscheinungsweise können wir eine ganz neue Qualität anbieten: größere Strecken, stärkere Reportagen und auch wieder politischere Themen. Darauf möchte ich aufbauen, um neue, jüngere Leser an das Printmagazin zu binden. Die Frankfurter Rundschau war immer die starke linksliberale Stimme in Frankfurt. Ich möchte, dass das auch so bleibt, allein für die Vielfalt der Medienlandschaft. Ich möchte aber daran anknüpfen und dem Journal auch eine linksliberale Stimme geben“, so Merkel.

Für das kommende Jahr hat Merkel auch schon einiges geplant. Dazu zählen der Relaunch der Website im Frühjahr und eine neue Social-Media-Strategie. Gerade bei der Website sei einiges zu tun: Diese soll eine komplett neue Navigation erhalten und bildlastiger werden. „Dadurch soll die Website vor allem nutzerfreundlicher werden“, sagt Merkel. Auf den Social-Media-Kanälen vom Journal ließe sich laut Merkel zwar bereits toller Content finden, dieser werde aber noch relativ ungefiltert veröffentlicht. Beiträge werden geteilt aber es stehe eben noch keine Strategie dahinter, was sich im nächsten Jahr jedoch ändern soll.

Wir sind gespannt, wohin die Reise des Journal Frankfurt unter Ronja Merkel gehen wird, und wünschen ihr viel Erfolg dabei.

63. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:
"Jetzt arbeiten wir ungefähr 60 Tage gemeinsam und es fühlt sich echt gut an."

Etwa anderthalb Jahre hat der Umbau beim hr im „Programmbereich Hesseninformation“ gedauert – jetzt arbeiten im neuen „Open Space“ Redaktion und Produktion eng zusammen. Der hr hat den über 30 Journalisten beim 63. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch einen exklusiven Einblick in den neuen Bereich gegeben und Fernsehdirektorin Gabriele Holzner sowie Programmbereichsleiter Jörg Rheinländer haben sich den kritischen Fragen von Steffen Ball gestellt. Beim traditionellen 300-Sekunden-Statement hat Rheinländer eine erste Bilanz gezogen: „Hörfunk und Fernsehen haben 23.342 Tage getrennt gearbeitet. Fernsehen, Hörfunk und Online haben etwa 8.000 Tage getrennt gearbeitet. Jetzt arbeiten wir ungefähr 60 Tage gemeinsam und es fühlt sich echt gut an. Das sagen auch viele Kollegen. Aber sie merken schon, da ist noch eine Menge Arbeit zu tun.“

 

Mit dem neuen Konzept möchte der hr auch nach wie vor seinen Hörern und Zuschauern das Wichtigste aus Hessen liefern. Doch das große Ziel ist es, eigene Themen zu setzen – und das gerade durch diese neue Form des Zusammenarbeitens.

 

Beim Umbauprozess war laut Rheinländer eine große Herausforderung, die verschiedenen Arbeitsweisen im Hause zusammenzubringen und auch die Kultur der Führungskräfte zu verändern. So werde dem Team jetzt mehr Verantwortung zugeschrieben. Die Chefs kontrollierten nicht mehr ständig, das agile Arbeiten im Open Space stehe jetzt im Vordergrund. Darunter leide laut Holzner die Qualität ganz und gar nicht, denn jeder habe für sich im Sinn, das bestmögliche Produkt abzuliefern. Darüber hinaus achteten die Kollegen im Team mehr aufeinander, sodass die Qualität sichergestellt sei. Mit dieser Führungsweise setzten Holzner und Rheinländer zwar die Kriterien für die Qualität, ließen aber den Kollegen freie Hand in der Ausführung.

 

Wir sind gespannt, wie sich diese neue Zusammenarbeit und Führungsweise beim hr künftig entwickeln wird und ob andere Redaktionen sich an dieser Umstrukturierung ein Beispiel nehmen und nachrücken werden.

62. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:

"Die FNP soll wieder mit ihren Regionalausgaben die Nummer Eins in der Region werden."

Zum dritten Mal in Folge drehte sich der Rhein-Main Journalisten-Stammtisch um die Frankfurter Neue Presse (FNP), dieses Mal zum Thema „Doppelspitze bei der FNP: Was bringt’s, wie läuft’s?“. Als Referent zu Gast war Matthias Thieme, der seit 1. August Co-Chefredakteur der FNP ist und zusammen mit Dr. Max Rempel die Doppelspitze der FNP bildet. In seinem 300-Sekunden-Statement referierte Thieme vor mehr als 60 Gästen über die Herausforderungen und neuen Aufgaben der FNP.

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft: Längst ist bekannt, dass die FNP deutlich an Abonnenten verloren hat, die nicht mehr zufrieden mit der Struktur und dem Inhalt der Zeitung waren. Wie geht es nun unter Matthias Thieme und Dr. Max Rempel als Co-Chefredakteuren weiter? „Die FNP soll wieder mit ihren Regionalausgaben die Nummer Eins in der Region werden. Wenn man sich über sein direktes Lebensumfeld informieren möchte, wenn man wissen will, was in seiner Nachbarschaft passiert, wenn man wissen will, was die Menschen rund um einen denken“, so Thieme. Das bedeutet: Die FNP möchte wieder attraktiver für bestehende und auch für verlorene Abonnenten werden, indem sie die altbewährte Struktur der Zeitung wiederbelebt. Um auch das jüngere Publikum anzusprechen, setzt die FNP zusätzlich auf digitale Medien. Im anschließenden Interview mit Moderator Steffen Ball erklärte Rempel, dass man durch das Digitale die Möglichkeit zur Produktdifferenzierung habe, wodurch man mit völlig anderen Themen andere Zielgruppen erreichen könne, ohne das Bestandsprodukt deswegen verändern zu müssen. Dort können dann Themen gespielt werden, die die jungen Leser wirklich interessieren: zum Beispiel, wie man sein Badezimmer richtig putzt. Dies sei ein Thema, was vor allem junge Erwachsene interessiere, die gerade in ihre erste eigene Wohnung gezogen sind, welches aber nicht in eine klassische Print-Zeitung passe.

Wir sind gespannt, ob es den beiden Co-Chefredakteuren gelingt, die FNP wieder auf die richtige Bahn zu lenken und wünschen ihnen viel Erfolg dabei.

Wir danken unseren Partnern und dem Team des Le Panther für die Unterstützung.

61. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:

"Know-how am Newsdesk: Neuer Impuls im Lokalteil der FNP."

Seit September 2017 leitet Jörn Tüffers den Lokalteil der Frankfurter Neuen Presse (FNP). Die Zeitung kämpft mit sinkenden Abonnenten- und Verkaufszahlen, dennoch hält der gebürtige Wuppertaler am starken Online-Content im Lokalbereich fest und ruft Journalisten beim 61. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch im Frankfurter Brauhaus zu mehr Haltung auf.

 

Es war sein erstes Aufeinandertreffen mit anderen Kollegen. FNP-Lokalchef Jörn Tüffers stellte sich beim Rhein-Main Journalistenstammtisch den mehr als 70 Journalistinnen und Journalisten vor.
In seinem 300-sekündigen Statement berichtete er von der steigenden Wichtigkeit, die Geschichten hinter den Geschichten zu erzählen, um als tragendes Medium in der Gesellschaft Bestand zu haben.

 

Als Anregung für die anschließenden Diskussionen bei Bier und deftiger Brotzeit betonte er die Wichtigkeit der Haltung eines jeden Journalisten und Medienbeauftragten. Als Beispiel ging er bis nach Amerika und zeigte auf, wie wichtig dieser Punkt ist, besonders wenn seriöse Nachrichten übler Nachrede ausgesetzt sind.

 

Wir dürfen gespannt sein, welche Akzente Jörn Tüffers in der Frankfurter Neuen Presse setzen wird. Viel Erfolg von unserer Seite.

Wir danken unseren Partnern dem Frankfurter Brauhaus und der Henninger Bräu AG, für die Unterstützung.

 

60. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:

"Themen statt Terminen: Was bei der FNP seit 13. Juni 2017 anders ist."

Die 70 Teilnehmer des 60. Rhein-Main Journalisten-Stammtisches zählten zu den ersten externen Gästen, die den neu eingerichteten Newsroom der Frankfurter Neuen Presse (FNP) besuchen durften. Oliver Rohloff, Geschäftsführer der neu gegründeten Mediengruppe Frankfurt, und Joachim Braun, Chefredakteur der FNP, hatten gemeinsam den Journalisten-Stammtisch eingeladen und stellten sich im Interview den Fragen von Stammtisch-Initiator Steffen Ball.

 

Mit der Umstrukturierung der Redaktion zu einem Newsroom möchte Joachim Braun ein neues Organisations-Konzept realisieren; das Konstrukt termingetrieben Tageszeitung hält er für inzwischen überholt. Er will Inhalte erarbeiten, die nicht an der Oberfläche kratzen, sondern Geschichten erzählen, die auch Hintergründe und Details beleuchten. Der inhaltliche Fokus der Zeitung liegt zukünftig auf der Qualität der Berichte und nicht auf der Terminbesetzung. Brauns Überzeugung nach hat das Modell des Reporters als „Alleskönner“ ausgedient; Ziel müsse es vielmehr sein, die einzelnen Autoren als Eigenmarken aufzubauen.

 

Oliver Rohloff erläuterte, wie im Zuge der Umgestaltung der FNP auch die Frankfurter Societät GmbH ein neues Gesicht bekommen hat. Unter dem Dach der Medien Gruppe Frankfurt etabliert er ein Konzept des Dreiklangs. Dazu gehört seinen Ausführungen zufolge zum einen der Ausbau der journalistischen Kompetenz, welche das Fundament der Gruppe bildet. Zum anderen sieht er in der Digitalisierung in allen Bereichen einen wichtigen Pfeiler seines Konzepts. Als dritte Säule dient die Diversifizierung. Diese beinhaltet unter anderem den Ausbau einer Digitalagentur, die Ausrichtung von Messen und die eigene Unternehmenskommunikation. 

 

Generell wollen Joachim Braun und Oliver Rohloff die Kommunikation der Reporter untereinander verbessern und das Blatt zu einer themenfokussierten Zeitung  ausbauen. Beide sind überzeugt, dass mit der Etablierung des Newsrooms diese Ziele zu erreichen sind.

 

Wir sind gespannt, was von den Herren noch kommt, deren Motto es ist: „Man muss Dinge auch einfach mal machen“. Dank dieser Einstellung werden wir bestimmt weiter von ihnen hören und lesen – und freuen uns darauf.

 

59. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:

"National sind wir auf jeden Fall fit, international besteht Nachholbedarf."

Seit dem Brexit bewirbt sich Frankfurt als neue europäische Finanzhauptstadt. Britische Unternehmen sollen sich in die Mainmetropole niederlassen, dafür hat die Stadt in den vergangenen Wochen kräftig die Werbetrommel gerührt. Dieser Entwicklung sehen vor allem die Frankfurter Gastronomen positiv entgegen. Doch kann die Stadt aus gastronomischer Sicht mit London überhaupt mithalten? „Frankfurt ist im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt und hat im Verhältnis zur Einwohnerzahl die drittgrößte Anzahl an Gastronomiebetrieben in Deutschland“, sagte Madjid Djamegari, Geschäftsführer des Gibson Clubs und Hauptredner beim 59. Rhein-Main Journalisten-Stammtischs.

Djamegari machte in seinem 300-Sekunden-Statement deutlich, dass dieses Ergebnis ihn noch lange nicht zufriedenstellt. Zwar biete Frankfurt eine große gastronomische Vielfalt an, ausreichend ausgeschöpft werden diese von den Gästen jedoch nicht. „Das schadet insbesondere dem Nachtleben“, meinte Djamegari. Für ihn braucht es deshalb eine Lösung. „Wir müssen die Gastronomie in Frankfurt weiterhin stärken.“ Dies könnte laut Djamegari mit neuen attraktiven Anreizen funktionieren, die die kulturellen Angebote in den Fokus rücken und die Aufenthaltsqualität in der Stadt steigern. Neben dem Stadtmarketing sieht Djamegari dabei die Frankfurter Gastronomen in der Pflicht zu handeln.

 

Mit der Gründung der Initiative Gastronomie Frankfurt e. V (IGF)., der sich inzwischen rund 40 Gastronomiebetriebe wie zum Beispiel Maxie Eisen oder das Vai Vai angeschlossen haben, möchte Djamegari zu einer besseren Kommunikation sowohl untereinander als auch nach außen beitragen. Ein Thema, mit dem sich die IGF derzeit beschäftigt, ist das Verbot von Alkohol auf öffentlichen Plätzen.

 

Eine Frage bewegte die Journalisten beim Stammtisch jedoch am meisten: Kann Frankfurt mit London konkurrieren? Djamegari meinte: „Ja“, denn: „Frankfurt verfügt über eine gute Infrastruktur und eine internationale Ausrichtung, was für ausländische Firmen durchaus attraktiv ist.  Auch die Frankfurter Gastronomie punktet mit einem großen Angebot, freundlichem und gutem Personal sowie einem ansprechenden Preis-Leistungs-Verhältnis.“ Sicher sei laut Djamegari aber auch, dass die Dynamik in der Londoner Gastronomie allein aufgrund der deutlich höheren Einwohnerzahl vollkommen anders sei als die in Frankfurt. Erfolgreiche Gastronomiekonzepte aus London sollten deshalb nicht einfach bloß übernommen, sondern müssten vielmehr an die Gegebenheiten in Frankfurt angepasst werden. Zudem könnte es Frankfurts Gastronomie stärken, wenn die traditionelle heimische Küche ausgebaut und diese in neue Konzepte eingebunden wird.

 

Auch Dr. Hartmut Schwesinger, einer der Gäste des Abends und ehemaliger Geschäftsführer der Standortmarketinggesellschaft FrankfurtRheinMain GmbH, betonte, dass eine Fokussierung auf die eigenen Stärken sowie deren Kommunikation nach außen essenziell für die erfolgreiche Weiterentwicklung der Stadt seien.

 

58. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:

"Nie ist so viel geschrieben worden , leider aber auch nie so viel Falsches."

Die deutsche Sprache und das digitale Zeitalter: Beim 58. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch drehte sich alles um unsere Sprache und wie wichtig diese wieder wird. Unter dem Motto „Was unsere Sprache kann, was wir daraus machen, und was ihre Zukunft sein kann“ hielt Referent Dr. Roland Kaehlbrandt, Autor des „Logbuchs Deutsch – wie wir sprechen, wie wir schreiben“ sein 300-Sekunden-Statement.

Mark Twain sagte einmal „Das Leben ist zu kurz, um Deutsch zu lernen.“ Dieser Aussage ging Dr. Roland Kaehlbrandt genau auf den Grund. Ist das Erlernen unserer Sprache tatsächlich eine solche Zumutung? Ist die deutsche Sprache wirklich so kompliziert und nur schwer erschließbar?  In Angesicht des global steigenden Interesses an deutschen Sprachkursen stellte Kaehlbrandt fünf Vorzüge dar, die für die deutsche Sprache sprechen.

1. Lego-Sprache Deutsch

Der deutsche Wortschatz umfasst 5,4 Millionen Wörter, der sich nicht zuletzt auf die nahezu unbegrenzte Kombinierbarkeit der Wörter zurückführen lässt. Die Sprache lade quasi dazu ein, immer wieder neue Wortkreationen aus dem bereits bestehenden Vokabular zu schaffen. Der Vorteil läge hierbei ganz klar auf der schnellen Erschließung der Wortbedeutungen, wie Kaehlbrandt am Beispiel des „Kinderarztes“ verdeutlichte.

2. Genauigkeit im Raum

Die deutsche Sprache verfüge über rund 40 Präpositionen, die man beliebig an die Wortfamilie eines Verbs anhängen könne. Nehme man beispielsweise das Verb „gehen“, so kann der Wortschöpfer im Deutschen ausgehen, weggehen, abgehen, untergehen oder etwa hinaufgehen. Diese Genauigkeit der Sprache sei weltweit einzigartig, so Kaehlbrandt.

 

3. Elastizität im Satzbau

Ist der deutsche Satzbau für viele noch ein Hindernis, machte Kaehlbrandt klar: Dahinter stecken viele Vorzüge. Neben der Flexibilität zählen auch die Wendigkeit und der Nuancenreichtum zu den Stärken der deutschen Sprache. So setzen sich die Satzinhalte zu einem Gesamtbild zusammen, dass sich für den Leser in einem Moment erschließen lässt.

 

4. Beziehungsbegabung der deutschen Sprache

Ein weiterer Vorzug sei die Nuancierung und Abtönung von Fragen oder Aufforderungen. So fällt es im Deutschen leichter die Mitteilungsabsicht auf den Mitteilungsinhalt abzustimmen. Ein einfaches „Hallo“ kann heute ganze Dialoge ausfüllen. Kleine Wörter wie aber, auch, bloß, eben, vielleicht oder schon seien zusätzlich „Abtönungspartikel“, die eine kleine und doch so wichtige Zusatzbedeutung in der deutschen Sprache einnehmen.

 

5. Verbreitung der Sprache

Das Deutsche habe 103,5 Millionen Muttersprachler und gehöre bei 6000 Sprachen zu den zehn stärksten Sprachen weltweit. Zusätzlich lernen 15 Millionen Menschen in 114 Ländern Deutsch und in sieben weiteren Staaten sei das Deutsche die offizielle Amtssprache, erklärt Kaehlbrandt. Insgesamt gehe man von 300 Millionen Menschen aus, die in ihrer Bildungslaufbahn die deutsche Sprache erlernt haben.

 

Im Zeitalter des virtuellen Meinungsaustausch und Social Media rät er zu einer differenzierten Betrachtung und kritischen Auseinandersetzung der neuen Kommunikationstools. Noch nie sei so viel geschrieben worden wie heute, leider aber auch noch nie so viel Falsches, so Kaehlbrandt.  Um die deutsche Sprache auch weiterhin in einer international ausgerichteten Welt zu stärken, schlägt er vor, „Deutsch als Zweitsprache“, als verpflichtende Fortbildung für alle Lehrkräfte an Schulen einzuführen. Sprachbildung sei aber eine Aufgabe der gesamten Sprachgemeinschaft, bestehend aus Vereinen, Stiftungen oder Initiativen. Nur wenn alle an einem Strang ziehen und in der Sprachpflege aktiv sind, kann man Mark Twains Aussage widerlegen, denn fest steht: Das Leben ist definitiv nicht zu kurz, um Deutsch zu lernen.

 

57. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:

"Die FNP benötigt ein ganzheitliches, neues Organisations-Konzept."

Die Frankfurter Neue Presse und das digitale Zeitalter: Beim 57. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch ging es um den angestrebten Change-Prozess der Tageszeitung. Referent Joachim Braun, seit Ostern Chefredakteur der FNP, erklärte während seines 300-Sekunden-Statements, warum das Blatt noch lange nicht in der Digitalisierung angekommen ist und was sich ändern muss, um tatsächlich den Weg hin zum digitalen Wandel finden und gehen zu können.

Laut Braun ist das Konstrukt Tageszeitung überholt, weshalb die FNP ein ganzheitliches, neues Organisations-Konzept benötige. Dazu zähle beispielsweise die Neugestaltung der Redaktionsräume: Braun möchte einen integrierten Newsroom und ein völlig neues Redaktionssystem implementieren. Damit will er Inhalte erarbeiten, die nicht nur an der Oberfläche kratzen. Vielmehr setzt er auf das Erzählen von Geschichten, die auch Hintergründe und Details beleuchten. Der inhaltliche Fokus müsse zukünftig auf der Qualität der Berichte liegen und nicht auf der Terminbesetzung. Seiner Überzeugung nach hat das Modell des Reporters als „Alleskönner“ ausgedient; Ziel müsse es vielmehr sein, die einzelnen Autoren als Eigenmarken aufzubauen. Auch den Online-Auftritt möchte er überarbeiten und modernen Standards anpassen: mobil und nutzerorientiert.

Obwohl die Zukunft digital sein wird, gestaltet es sich nach Brauns Einschätzung immer noch schwierig, mit Digital-Journalismus Geld zu verdienen. Dennoch seien Bezahlschranken unverzichtbar, gerade um den Usern zu verdeutlichen, dass Qualitätsjournalismus seinen Wert hat. Die FNP benötige also Inhalte, die sich lokal und emotional vermarkten lassen, beispielsweise Videos, Serien oder Live-Ticker. Sein Ziel ist es, dass die FNP mit ihren Themen in Zukunft regelmäßig zum Stadtgespräch wird, um sich so von den Konkurrenten abzugrenzen. Nur so ließe sich der Paid-Content den Lesern näherbringen.

Unterstützung bei seinen Vorhaben bekommt Joachim Braun unter anderem von einem ehemaligen Kollegen und Mitstreiter des Nordbayrischen Kuriers, Tobias Köpplinger, den er im Juli als Digitalchef nach Frankfurt holen wird. Fazit: Die FNP ist zwar noch kein Vorreiter in Sachen Digitalisierung, die Herausforderung, den Digital-Journalismus langfristig zu etablieren, hat sie aber bereits angenommen. Somit besteht kein Zweifel daran, dass auch jemand, der keinen Apfelwein mag, als Chefredakteur einer Frankfurter Traditionszeitung bestens geeignet ist.

 

Herzlich willkommen in Frankfurt, Joachim Braun, wir sind gespannt auf alles, was von Ihnen und Ihrem Team noch kommt!

 

56. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:

"Weg vom alten Image, hin zu einem jüngeren Publikum."

Der 56. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch befasste sich mit dem Relaunch von „hessenschau.de“ und welche Veränderungen die Neugestaltung mit sich brachte. Referent Wolfgang Jeck, Leiter von „hessenschau.de“, erklärte während seines 300-Sekunden-Statements, warum gleich zwei Kanäle des öffentlich-rechtlichen Senders unter einer Marke gebündelt wurden.

 

 „Was kommt Ihnen spontan in den Sinn, wenn Sie an die hessenschau denken?“ Diese Frage hat der hr im Jahr 2013 den Hessen gestellt. Heraus kam ein relativ klares Bild. Die hessenschau stünde vor allem für eins: zuverlässige und glaubhafte Informationen aus Hessen. Was sie aber dringend benötigte, war eine Imagekorrektur. Weg von Blasmusik und Trachtenvereinen, hin zu einem jüngeren Publikum, das sich vorrangig im Internet informiert. Dass der bisherige Internetauftritt von hr-online nicht die Lösung war, lag zum größten Teil an der veralteten Technik und dem eingerosteten Redaktionssystem.

 

Es bestand also an zwei Stellen Handlungsbedarf. Was lag näher, als das gemeinsam zu bearbeiten? Nach fast 20 Jahren wurde das bisherige Angebot „hr-online.de“ unter der bekanntesten Marke des öffentlich-rechtlichen Senders gebündelt und heißt nun „hessenschau.de“. Klar strukturiert, übersichtlich und schnell geladene Inhalte. Das mache die neue Aufmachung von „hessenschau.de“ jetzt aus. Durch den Relaunch erhofft sich der Hessische Rundfunk einen Imagetransfer von der Fernsehsendung zum Internetangebot. Besonders wichtig sei es, dass das Angebot auf allen Geräten optimal funktioniert. Egal ob auf dem Notebook, dem Tablet oder dem Smartphone. So könne man jüngere Generationen besser erreichen.

 

Der inhaltliche Fokus sei nach wie vor derselbe, stellte Jeck klar. Berichtet wird aus Hessen, für Hessen. Allerdings müsse man weiterhin an der Aufarbeitung und Darstellung der Themen arbeiten. Neue Formate und Darstellungsformen müssen her, um auch die jungen Nutzer ansprechen zu können. Die Frage, die hier immer eine Rolle spielt, ist nicht, was die Journalisten interessiert, sondern was ist für die Nutzer interessant? So definiert der hr seinen Auftrag einen frischeren Wind in seinen Online-Auftritt zu bringen und somit auch jüngere Generationen zu erreichen.

 

55. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:

"Es ist wichtig nicht zwischen "uns" und den "anderen" zu unterscheiden."

In diesem Jahr stehen Deutschland und damit auch Frankfurt vor einer besonderen Herausforderung: dem größten Zustrom von Flüchtlingen seit Jahrzehnten. Wie ist der aktuelle Stand in Frankfurt und wie können Politik und Bürger gemeinsam diesen Kraftakt meistern?  Diese Frage stand im Mittelpunkt des 55. Rhein-Main Journalisten-Stammtischs.

 

Stadträtin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, Dezernentin für Integration der Stadt Frankfurt am Main, machte mit ihrem 300-Sekunden-Statement klar, wie sie Integration definiert und welche Rolle vor allem die Bevölkerung und die Medien spielen. Laut Hochrechnungen erwartet das Bundesland Hessen ca. 100.000 Flüchtlingen bis Ende des Jahres, davon allein 20.000 in Frankfurt. Dabei muss zwischen Erstaufnahmen und einer langfristigen Integration unterschieden werden, so Eskandari-Grünberg. Die aktuelle Zahl von Menschen, die nach Frankfurt kommen und hier tatsächlich bleiben werden, liegt bei rund 2.500.

 

Die Realität und die Wahrnehmung der Bevölkerung liegen oftmals weit auseinander, so Eskandari-Grünberg. Für sie, als gebürtige Iranerin, die selbst als junge Frau nach Deutschland floh, ist Integration demnach keine Einbahnstraße, sondern ein Prozess, der uns alle betrifft und uns auch verändert. Diese Veränderung sei nicht immer einfach, doch Eskandari-Grünberg macht klar, dass gerade Deutschland in den vergangenen 60 Jahren von Migration profitiert hat.

 

Auch gesellschaftliche Vorbehalte, wie ein drohender Rechtsruck oder die Sorgen in der Bevölkerung, wurden angesprochen. In diesem Kontext betont die Stadträtin, dass Frankfurt eine Stadt ist, in der Vielfältigkeit nicht nur akzeptiert, sondern auch aktiv gelebt wird. Auf die Frage, wie man mit den wachsenden Ängsten der Bürger und einem drohenden Rechtsruck umgehen soll, entgegnet Eskandari-Grünberg, dass man Raum für Begegnungen schaffen müsse. Nur so könne man Unwissen, als Hauptgrund von Skepsis, erfolgreich beseitigen.

 

Um diese Herausforderung erfolgreich und langfristig zu bewältigen, ist es wichtig, dass wir nicht zwischen „uns“ und „den anderen“ unterscheiden. Das „wir“ steht im Vordergrund. Die  Sprache ist die größte Gemeinsamkeit, die es zu fördern gilt und genau zu diesem Punkt demonstriert Eskandari-Grünberg  wie vielfältig und hilfsbereit Frankfurt ist. Sie und ihr Team konnten innerhalb von nur zwei Wochen mehr als 300 ehrenamtliche Dolmetscher akquirieren, um so den Flüchtlingen ein Gefühl von „angekommen und angenommen“ zu geben.

 

54. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:

"Die Commerzbank-Arena kann mehr als nur Fußball!"

Der 54. Rhein-Main Journalistenstammtisch am Mittwoch, 14. Oktober 2015, wurde zum Auswärtsspiel: Erstmals fand das Event im Palais Thurn und Taxis Frankfurt statt. Das traditionelle 300-Sekunden-Statement gaben dieses Mal Henning Enste und Patrik Meyer, Geschäftsführer der Stadion Frankfurt Management GmbH (SFM), ab. Ihr Thema: Vom Vermieter zum Veranstalter – wie die SFM es geschafft hat, die Commerzbank-Arena vom 17-Tage-Fußballstadion zu einer 365-Tage-Event-Arena zu entwickeln.

 

Schnell wurde klar: Die Commerzbank-Arena kann mehr als nur Fußball. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2005 fanden insgesamt 360 Großveranstaltungen mit rund 13 Millionen Besuchern statt. Ob Heimspiele der Frankfurter Eintracht oder Konzerte der absoluten Superstars wie Udo Lindenberg oder Madonna, ob kultige Computerspiel-Wettkämpfe oder rauschende Public-Viewings der Veranstaltungskalender der Arena ist immer gut gefüllt.

 

Dass das Ganze so gut funktioniert, liegt vor allem am Gespür der SFM-Geschäftsführer für Nischen und Trends sowie an ihrer Bereitschaft, Eigenveranstaltungen zu entwickeln und Risiken auf sich zu nehmen – ganz nach dem Motto: Vielfalt durch Suche und Entwicklung.

Enste und Meyer haben bereits große Pläne für das kommende Jahr. So ist z.B. geplant, Spiele der Fußball-EM 2016 beim Public Viewing auf  einer 550m² große LED-Leinwand zu übertragen. 10.000 Musiker sollen das größte Orchester der Welt bilden und im Stadion ein Konzert geben, und auch unzählige Stars stehen mit ihren Konzerten auf der Liste der SFM.

 

Für die beiden Geschäftsführer sind erfolgreiche Events immer standortabhängig und vor allem individuell. Ihre Inspiration holt sich die SFM weltweit als auch lokal. Durch regelmäßige Workshops mit dem Team und harter Arbeit haben sie die Commerzbank-Arena vom reinen Sportstadion zu einer Event-Arena entwickelt.

 

Nur ein Traum ist noch nicht erfüllt, ein Heimspiel der Eintracht in der Champions League. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

 

53. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:

"In Frankfurt am Main sitzen die Googles und Ebays von Morgen"

Freies WLAN in der Innenstadt? In Städten wie Lagos, São Paulo und Tel Aviv schon längst etabliert. In Kopenhagen entstehen 645 innovative Bushaltestellen, die mit digitalen Anzeigesystemen ausgestattet werden, die Verkehrsinformationen senden, um Pendlern ihre Reise zu vereinfachen. Die Commonwealth Bank of Australia hat alle Privat- und Unternehmenskonten in ein einheitliches digitales System übertragen und ist dadurch Nummer 1 in Australien beim Online-Banking. Das aus Dubai stammende Unternehmen SK Solutions koordiniert mithilfe von neuartigen Sensoren Kräne und andere Maschinen auf Baustellen – Bewegung und Steuerung können dadurch in Echt-Zeit angepasst werden, um Unfälle zu verhindern.

 

Das Tempo der weltweiten digitalen Entwicklung ist rasant. Deutschland hat bei der Digitalisierung klaren Aufholbedarf.

Aber was bedeutet eigentlich Digitalisierung? Fragt man den Referenten des 53. Rhein-Main Journalisten-Stammtischs, so steht Digitalisierung dafür, dass alles, was real existiere, auch digital bestehen müsse, um die Realität besser und komfortabler zu machen.

Thomas Jarzombek, MdB und Vorsitzender der AG Digitale Agenda der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, nannte den Teilnehmern während seines 300-Sekunden-Statements elf Punkte, die dafür sorgen könnten, dass Deutschland nicht als Digitalisierungsverlierer dasteht.

Dazu gehört die Förderung von Personen, die ein eigenes Unternehmen aufbauen möchten. Gleichzeitig ist es für Thomas Jarzombek wichtig, den Gründergeist unter jungen Leuten zu wecken. Durch Projekte in Schulen, zum Beispiel mit Vorträgen von Gründern möchte er gerade die jüngere Generation für das Thema „Unternehmensgründung“ motivieren. Generell sei die Schule im Hinblick auf Digitalisierung auf einem Stand von vor 15 Jahren. Nach Jarzombek muss hier eine Anpassung der Lehrmaterialien und der Unterrichtsgestaltung erfolgen. Natürlich ist für ihn auch der flächendeckende Ausbau des Breitbands sowie der Ausbau des taktilen, mobilen Internets – der Mobilfunk  der 5. Generation – ein wichtiges Thema. Ebenfalls seien auch die Richtlinien des Datenschutzes auf einem Stand von vor 20 Jahren: Gerade diese seien eine große Hürde für angehende Gründer im „Digitalbereich“. Genauso wichtig sei die Dateninfrastruktur die wichtigste Ressource der Zukunft und somit ein Thema, dem große Beachtung geschenkt werden müsse.

 

In der anschließenden Diskussion sprach Moderator Steffen Ball den Referenten auf die „digitale Hauptstadt“ Frankfurt an. Gerade hier sieht Jarzombek große Defizite: „Frankfurt ist die kapitalstärkste Stadt und dank des DE-CIX besitzt sie den größten Internet-Knoten weltweit. Doch die Gründer sitzen in Berlin, Hamburg und München.“ Für ihn ist nicht klar, warum in Frankfurt so wenig in Start-Ups investiert werde, denn hier säßen die Ebays und Googles von morgen. Vor allem Banken seien in der Digitalisierung weit hinten: „Google kann schneller meine Kreditwürdigkeit beurteilen als mein persönlicher Bankberater.“

 

Aber wie lassen sich diese Missstände beheben und Deutschland zu einem Digitalisierungsgewinner werden?

Jarzombek erklärt: „Neben den genannten Punkten, müssen wir Chancen erkennen und annehmen und nicht immer überlegen, was vielleicht nicht klappen könnte“. Zudem könne ein „Digitaler Bildungsstaatsvertrag“ sowie ein Förderprogramm des Bundes für Länder und Kommunen den Fortschritt der Digitalisierung beschleunigen. Mit am wichtigsten sei es jedoch, junge Leute zu ermutigen, zu fördern und in ihren Vorhaben zu unterstützen.

 

Insgesamt ließ die angeregte Debatte mit den Teilnehmern im Anschluss erkennen, wie relevant die Thematik für die Weiterentwicklung der Bundesrepublik ist.

 

Der nächste Rhein-Main Journalisten-Stammtisch findet nach der Sommerpause im September statt. Sie möchten eine Einladung erhalten? Schicken Sie eine E-Mail an journalistenstammtisch@ballcom.de

52. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:

"Die Frage, die wir uns stellen sollten: Muss sich der Journalismus neu erfinden?"

Der 52. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch befasste sich mit den Herausforderungen für den Journalismus in der Zukunft. Referent Thomas Sulzer, Ressortleiter Sport bei BILD SÜDWEST, erklärte während seines 300-Sekunden-Statements, dass Reporter heute eine Vielzahl an Aufgaben bewältigen müssten.

 

Zu allererst müsse ein Journalist eine gute Geschichte erkennen und so niederschreiben beziehungsweise erzählen, dass sie für den Leser und/oder Zuhörer interessant ist. Im nächsten Schritt müsse er ein passendes Foto oder Video aufnehmen, um dies gemeinsam mit dem Text auf Facebook und Twitter zu posten.Natürlich würde der Bericht im Vorfeld entsprechend der Nutzeranforderung aufbereitet. Reporter seien somit immer häufiger Journalist, Fotograf und Kameramann in einem und das ohne entsprechende Ausbildung. Gleichzeitig stünden die Medienmacher unter immensem Zeitdruck. Fundierte Recherche bliebe dabei ab und an auf der Strecke, denn jeder möchte als erstes berichten, um die Echtzeitkommunikation gegenüber den Konsumenten zu gewährleisten.

 

Gerade Bewegtbilder würden in Zukunft eine große Rolle spielen. Sulzer erklärt: „Der Online-Auftritt von BILD wird sich in den nächsten zwei bis drei Jahren komplett verändern. Die Klickzahlen für Texte werden immer geringer, also fokussieren wir uns in Zukunft auf Videos und Fotos.“

Im Anschluss ergab sich eine anregende Diskussion unter den anwesenden Journalisten, bei der unterschiedliche Themen aufkamen. Eine wichtige Frage für viele Anwesenden war, wie kleine Zeitungen in Zukunft gegenüber großen Verlagen bestehen können. Hier bezog sich Sulzer klar auf den regionalen Aspekt: „Kleine Redaktionen haben eine höhere Chance, exklusive Geschichten für ihren Regionalteil zu bekommen. Ansässige Reporter können direkt am Ort des Geschehens berichten, ihre Berichte sind damit detailreich und vor allem schnell verfügbar.“

 

Zur Sprache kam auch das Medienverhalten der Nutzer. Zu bild.de würden ein Drittel der Nutzer über Facebook oder Google gelangen, nur wenige geben die direkte URL in die Suchleiste ein. Dies unterstreiche die Wichtigkeit der Bespielung der sozialen Netzwerke. Gleichzeitig müsse ständig beobachtet werden, was Verbraucher von den Medienschaffenden erwarten und wie Nachrichten für die Altersgruppen aufbereitet werden müssen. Die anwesenden Journalisten waren sich in dem Punkt, was die Anforderungen an den Journalismus in der Zukunft betrifft, uneinig. Doch konnten sich die Teilnehmer einen Eindruck über die Vorgehensweisen anderer Redaktionen verschaffen und sich Anregungen für die eigene Arbeit einholen.

 

Zum Abschluss der Diskussion regt Sulzer an: „Ich kann nur beipflichten, in Sachen soziale Medien mutiger zu werden und die Digitalisierung anzunehmen. Natürlich kann man dabei auch ausprobieren, wir bei BILD sind auch in einem ständigen Prozess.“

51. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch:

"Der Freiheitsraum darf nicht von Mördern abgesteckt werden"

Der Anschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 stellte einen Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit dar, und das nicht nur in Frankreich.

 

Doch hat dies den Alltag eines Journalisten in Deutschland verändert? Und wie geht es Journalisten im Ausland? Diese Fragen diskutierten Werner D’Inka und Ismail Tipi beim 51. Rhein-Main Journalisten-Stammtisch. Moderiert wurde die Diskussion von BALLCOM-Geschäftsführer Steffen Ball.

 

D’Inka betonte dabei die Verantwortung, die Freiheit mit sich bringe, und die Notwendigkeit, journalistische Beiträge nach ihrem Zweck zu hinterfragen. Auch sei es eine Frage des Geschmacks, wie weit man vor allem im Bereich der Satire gehen könne. D’Inka sieht hierbei die Grenze in dem Respekt vor den Gefühlen anderer. Trotz ihrer Wichtigkeit sollte sich Satire nicht zu einem moralischen Zwang für die Presseorgane entwickeln. Nichtsdestotrotz stimmte er zu, dass Probleme klar benannt und ein deutlicher Standpunkt bezogen werden müsse. Gleichzeitig dürfe der Journalismus jedoch keinesfalls in Alarmismus verfallen.

Tipi wies in seinem Statement darauf hin, dass der religiöse Extremismus in Deutschland ein schon lange vernachlässigtes Thema sei, mit dem sich dringend beschäftigt werden müsse. Er sieht darin nicht nur eine Gefahr für die Presse- und Meinungsfreiheit, sondern auch für die Werte der deutschen Gesellschaft. Diese habe seiner Meinung nach zu lange weggeschaut und damit den Anhängern von extremistischen Gruppierungen zu viel Freiraum gelassen. Tipi konnte ebenfalls über die zunehmend eingeschränkte Situation von Journalisten in der Türkei berichten, die auf eine Solidarisierung von Seiten der deutschen Kollegen hofften.

Insgesamt ließen die teils emotionalen Statements und die angeregte Debatte im Anschluss erkennen, wie relevant die Thematik nicht nur für den deutschen Journalismus, sondern auch für die deutsche Gesellschaft ist.


Werner D’Inka, Herausgeber der FAZ, und Ismail Tipi, ehemaliger Journalist für deutsche und türkische Medien und Abgeordneter im Hessischen Landtag, hielten ihr traditionelles 300-Sekunden-Statement und diskutierten im Anschluss mit den geladenen Journalisten.
Unterstützt wird der Rhein-Main Journalisten-Stammtisch durch das Kempinski Hotel Frankfurt und die Fraport AG.